Da es sich bei einer Haartransplantation um einen medizinischen Eingriff handelt, kann es auch hier – wenn auch sehr selten – zu unschönen und unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist dabei, ob die gerade transplantierten Haarfollikel absterben können. Im folgenden Beitrag klären wir diese Frage.Haarfollikel nach der Haartransplantation - was sind das überhaupt?

Haarfollikel – was sind das überhaupt?

Damit Sie wissen, was genau sich hinter dem Begriff „Haarfollikel“ verbirgt, gibt es an dieser Stelle ein paar Eckdaten. Der Haarfollikel wird auch Haarbalg genannt. An dessen unterem Ende wird in der Haarwurzel das Haar gebildet. Vereinfacht gesagt, handelt es sich beim Haarfollikel um den Produktionsort der Haare und die Struktur, die unsere Haarwurzeln umgeben, die wiederum das Haar in der Kopfhaut verankern.

Ein Haarfollikel besteht aus zwei Schichten, einer äußeren und einer inneren sogenannten epithelialen Haarwurzelscheide. Die äußere Schicht (Basalschicht, Stratum basale) verläuft trichterartig und stellt die Hülle der Haarwurzel dar. Die innere Schicht umhüllt die Haarwurzel direkt. Ein Haarfollikel ist durch die Ansammlung mehrerer Drüsen auch dafür zuständig, Talg und Duftstoffe zu produzieren. Insgesamt besitzt ein Mensch gut 5 Millionen Haarfollikel an Körper und Kopf. Dabei entfallen auf den Stirnbereich 1.200 Follikel pro Quadratzentimeter!

Was passiert nach einer Haartransplantation?

Unmittelbar nach einer Haartransplantation muss sich das Hautgewebe erst einmal wieder erholen. Das ist logisch, da die Kopfhaut durch den Eingriff nicht nur verletzt, sondern auch gestresst wurde. Bevor die Haarfollikel also überhaupt wachsen können, muss sich das Umfeld regenerieren. Damit diese Nachbehandlung optimal abläuft, wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt entsprechende Tipps und Pflegemittel Empfehlungen mitgeben. Vorweg und ganz wichtig: ein Haarfollikel kann strenggenommen nicht absterben, sondern „nur“ ausfallen. Warum das passiert, erzählen wir Ihnen nun.

Der sogenannte „Operationsschock“

Es kann auch passieren, dass die Haarfollikel direkt nach einer Haartransplantation ausfallen. Doch keine Panik, dafür besteht in den allermeisten Fällen absolut kein Grund. Die Ursache für den Haarfollikelausfall ist der sogenannte „Operationsschock“, den die verpflanzten Grafts erlitten haben. Wie Sie einem unserer anderen Beiträge entnehmen können, werden die Follikel vor einer Haartransplantation mit Extraktions-/Hohlnadeln entnommen. Dabei werden sie von den feinen Blutgefäßen getrennt und deshalb verbringen sie beispielsweise bei einer FUE-Haartransplantation auch noch einmal etwas Zeit in einer Nährstofflösung.

Durch die Extraktion verlieren die Follikel den Kontakt zu ihrem normalen Umfeld und damit auch den Kontakt zu Energie und Baustoffen, den sie fürs Überleben benötigen. Abgeschnitten von zum Beispiel so essentiellen Dingen wie Proteine für den Aufbau der Haarsubstanz können die Follikel diese nicht mehr produzieren und werfen die Haare daraufhin ab (das nennt man Shedding). Erst wenn sich die Haarfollikel langsam an ihre neue Umgebung gewöhnt haben und wieder anwachsen, damit also wieder mit dem Blut- und Nährstoffkreislauf verbunden sind, können sie wieder mit der Haarproduktion beginnen.

Androgenetische Alopezie/erblich bedingter Haarausfall

Schuld am Ausfallen der neu transplantierten Haarfollikel können auch die alten Haare sein, auch wenn sie strenggenommen gar nicht mehr vorhanden sind. Warum das so ist? An den kahlen Stellen mag zwar kein Haar mehr sprießen, die genetisch „fehlprogrammierten“ Haarfollikel existieren aber dennoch weiter und befinden sich damit teilweise in direkter Nachbarschaft mit den gesunden Follikeln. Die genetische „Fehlprogrammierung“ kann demnach in manchen Fällen dafür sorgen, dass die transplantierten Grafts nicht anwachsen oder aber abgeworfen werden. 

Der Wachstumszyklus der Haare

Haarfollikel nach der Haartransplantation - Wachstumszyklus der Haare

Ein dritter Grund für das Ausfallen der transplantierten Haarfollikel liegt im Wachstumszyklus der Haare selbst begründet. Neben einer Wachstumsphase gibt es auch eine Ruhephase. In dieser Zeit wachsen die Haare nicht. Ähnlich verhält es sich mit den verpflanzten Follikeln. Auch wenn sie – wie zum Beispiel bei einer FUE-Haartransplantation – in einer Nährstofflösung zwischengelagert wurden, haben sie sich eine Zeit lang außerhalb des Körpers aufgehalten und waren damit nicht an ihrer eigentlichen Nährstoff- und Wachstumsquelle.

Nach der Transplantation befinden sie sich deshalb zunächst in der Ruhephase, die nach einigen Monaten abgeschlossen ist. Danach fangen die Follikel an, wieder zu wachsen und tragen dann in kurzer Zeit dazu bei, dass Ihr Haar wieder voll und dicht aussieht.

Zur weiteren Information: Die Tatsache, dass die Follikel unmittelbar nach der Transplantation noch nicht wachsen und zum Teil ausfallen, heißt nicht, dass an dieser Stelle (wieder) keine Haare wachsen. Der Haarfollikel, der eigentliche Anker der Haare, hat unmittelbar nach der Haartransplantation bereits Fuß gefasst und ist fest in der Kopfhaut verankert. Da die Grafts während der Transplantation unter Sauerstoffentzug gelitten haben, werden die Haare, die in diesem Follikel mittransplantiert wurden erst einmal abgestoßen. Deshalb entsteht hier der Eindruck, dass sie lose in der Kopfhaut sitzen und die berechtigte Beobachtung, dass sie ausfallen.

Grund zur Sorge oder sogar Panik besteht hier aber auf gar keinen Fall. Haarfollikel bedeutet nicht gleich Haarwurzel, also verläuft hier alles nach Plan.